Ok, mein Handy ist eben kein Ersatz für eine vollwertige Kamera. Also entschuldige ich mich mal wieder für die mangelhafte Qualität des Fotos. Dennoch kann man vielleicht erkennen, wie grandios die Location in Tübingen war. Mitten im Wald inklusive "Naturtribüne" in Form eines Hügels. Klasse Atmosphäre, großes Konzert. Allein die Location ist es wert, sich ein Konzert im Sudhaus in Tübingen anzuschauen. In diesem Sinne "In Poison street we'll go crashing through the walls that history made for us".
Sonntag, 14. Juni 2009
Dienstag, 2. Juni 2009
Brot und Spiele

Das schlechte Foto zeigt die Messe in KA. Neben dem Burgfest das zweite große Ereignis in KA am Pfingstwochenende. Aus der ganzen Stadt, aus dem ganzen Landkreis strömten die Leute in die Oststadt, um teilzunehmen und mitzumachen. Hauptsache es blinkt, macht Spaß und schmeckt. Das darf man nicht verpassen. Schließlich will man dazugehören und was zu erzählen haben. Vom zähen, aber zuckersüßen Brei der massentauglichen Unterhaltung will jeder was abhaben. Soviel, bis einem schlecht wird.
Ab heute wird dann wieder gemosert und sich beklagt über die da oben, die sich die Taschen vollstopfen auf Kosten des kleinen Mannes. Aber das ist nur der Kater. Und der verschwindet bald in der Vorfreude auf das nächsten Highlight.
Brot und Spiel in der Krise. Ja, aber mit einem bedeutenden Unterschied zum alten Rom. Damals zahlten die Kaiser die Zeche für Spannung, Spiel und Unterhaltung, heute bezahlt jeder für sich. Man trinkt also von dem Kakao durch den man gezogen wird, trotz Kästners Warnung.
Juvenal schrieb einst, dass das Volk, das Ruhm, Ehre und Macht verliehen hatte, nun stillhalte und in banger Sorgen seinen Blick nur noch auf zwei Dinge richte: Brot und Spiele.
Allerdings war damals die Republik bereits Geschichte und ihre überkommenen Traditionen nur noch leerer Prunk. Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir scheißen auf unsere Probleme, solange wir uns den Rummel leisten können und verkaufen so für ein Stück Zuckerwatte unsere Freiheit und unsere Macht.
Ab heute wird dann wieder gemosert und sich beklagt über die da oben, die sich die Taschen vollstopfen auf Kosten des kleinen Mannes. Aber das ist nur der Kater. Und der verschwindet bald in der Vorfreude auf das nächsten Highlight.
Brot und Spiel in der Krise. Ja, aber mit einem bedeutenden Unterschied zum alten Rom. Damals zahlten die Kaiser die Zeche für Spannung, Spiel und Unterhaltung, heute bezahlt jeder für sich. Man trinkt also von dem Kakao durch den man gezogen wird, trotz Kästners Warnung.
Juvenal schrieb einst, dass das Volk, das Ruhm, Ehre und Macht verliehen hatte, nun stillhalte und in banger Sorgen seinen Blick nur noch auf zwei Dinge richte: Brot und Spiele.
Allerdings war damals die Republik bereits Geschichte und ihre überkommenen Traditionen nur noch leerer Prunk. Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir scheißen auf unsere Probleme, solange wir uns den Rummel leisten können und verkaufen so für ein Stück Zuckerwatte unsere Freiheit und unsere Macht.
Sonntag, 22. März 2009
Hanif Kureishi: „The Buddah of Suburbia“

Hanif Kureishi hat mit dem „Buddah der Vorstadt“ einen durchaus gelungenen Initiationsroman geschrieben, der vor allem durch Kureishis grandiosen Humor und durch die Schilderung einer Jugend besticht, die sich vor dem Hintergrund der musikalischen und politischen Entwicklungen im London der 70er Jahre abspielt.
Protagonist ist Karim, der Sohn des Pakistani Haroon und einer englischen Mutter, der sich gelangweilt vom Leben in den südlichen Vororten Londons auf die Suche nach dem ultimativen Kick, nach einem Lebensweg und einer Identität macht und dabei immer wieder knallhart auf die heuchlerische Realität der Erwachsenenwelt stößt. Als Haroon, Karims Vater, in einem esoterischen Anfall zum „Buddah der Vorstadt“ mutiert, Meditations-Kurse und Selbstfindungsabende für die überreizte und hyper-neurotische Londoner Oberschicht anbietet, und auf diesem Weg die Familie für die hippy-eske Eva verlässt, zerbricht Karims Welt zunächst unbemerkt. Im Laufe des Romans zieht Karim mit seiner neuen Familie (Haroon, Eva und Stiefbruder Charlie) nach London, erlebt dort den Aufstieg zu einem erfolgreichen Schauspieler, wird Zeuge der rassistischen Ausschreitungen der „National Front“, erhält Zugang in die Welt der freien Liebe und erlebt im Rausch der Drogen und der Hippie- und New Art-Musik die Geburt des New Wave und des Punk. Die Figur des Stiefbruders Charlie „Hero“ macht Karriere als Musiker und zeichnet die Lebensgeschichte David Bowies nach.
Der Roman lebt stark vom Spannungsverhältnis der Kulturen, der asiatischen und der englischen, die beide gnadenlos ironisiert werden und die Vorurteile auf beiden Seiten bedient. Die englische Welt der 70er verkommt zu einer oberflächlichen Welt, in der Sex, Drogen und rassische und sexualisierte Gewalt den Alltag bestimmen. Die asiatische Welt tritt in Gestalt von Karims Vater, des schwafelnden Buddahs, und Karims Onkel, der seine Tochter mit einem Hungerstreik zur traditionellen Heirat mit dem nichtsnutzigen, Conan-Doyle lesenden Krüppel Changez zwingt, in Erscheinung. Karim, der nicht zur Selbstreflektion fähig ist, lässt sich von den Erscheinungen und Ereignissen um sich herum durch die Straßen von London und später New York treiben. Seine persönliche und kulturelle Entwurzelung, sein Schweben zwischen den Welten und Kulturen, schlägt sich in seiner kompletten Orientierungslosigkeit und Oberflächlichkeit nieder, die den Protagonisten in die unmöglichsten und komischsten Situationen hineinversetzt und an denen, wie man erst später bemerkt psychischen Schaden nimmt. Ein und durch und durch komischer Roman, dessen Komik an einigen Stellen, unbemerkt vom Protagonisten ins bodenlos Tragische einbricht und den Leser abrupt ausnüchtern lässt und ihm das Schmunzeln von den Lippen saugt. Es gibt zahlreiche Erwähnungen von Bands und Platten der 70er, die, wenn man die Titel im Ohr hat, zu einer Musikkulisse werden, die für mich den Charme ebenfalls stark ausmachen. – Für Unterrichtszwecke ungeeignet, da zu obszön. Für eine amüsante, nicht-zu-anspruchsvolle Lektüre absolut empfehlenswert.
Montag, 23. Februar 2009
Orhan Pamuk - Das neue Leben

Wenn ich das Buch nur im Ansatz verstanden habe, mehr zu behaupten ist vermessen, dann wäre eine Rezension der absolut falsche Weg, das Buch vorzustellen. Es wartet solange, bis man von selbst auf es stößt oder einem ein anderer davon im Stillen berichtet. Es ist ein Buch für wenige.
Wer das Geheimnis entdecken will, muss sich selbst auf die Suche machen.
Also flüstere ich den beiden Lesern leise zu: lest dieses Buch.
Wer das Geheimnis entdecken will, muss sich selbst auf die Suche machen.
Also flüstere ich den beiden Lesern leise zu: lest dieses Buch.

Sonntag, 22. Februar 2009
The girl who swallowed bees
Nach all den dunklen Geschichten hier mal eine, die ein schönes Ende hat.
Über mythologische Bezüge und Analogien in diesem Video müsste man mal genauer nachdenken.
Der Film hat, wenn ich richtig informiert bin, auch einige Preise bei entsprechenden Festivals gewonnen, was für die Beurteilung seiner künstlerischen Qualität natürlich völlig unerheblich ist.

Donnerstag, 29. Januar 2009
Helmut Krausser: Fette Welt

Aus irgendeinem Grund war ich davon überzeugt, dieses Buch noch nicht gelesen zu haben. Bereits nach den ersten Zeilen kehrte die Erinnerung zurück und Kraussers markante Roman-Gestalten wankten mir wieder aus dem nebulösen Nichts in 3-D entgegen. Zu dem Zeitpunkt hat mich die „Fette Welt“ erneut am Genick gepackt, geschüttelt (vor Ekel und Lachen) und bis zum Zuklappen des Buches nicht wieder losgelassen, wie bereits schon mal vor wohl zehn Jahren. Ich muss sagen, es hat mich zutiefst amüsiert, dieses Buch erneut zu lesen.
Held des Buches ist Hagen Trinker, ein defätistischer Wahl-Penner und selbsterklärter Poet in der Nobel-Stadt München, der fetten Welt des Romans. Aus der bürgerlichen Welt zieht dieser zynische Anti-Ritter zu Beginn des Romans aus Verachtung ganz aus und erlebt - gelegentlich von seiner so genannten Familie, einem bunten Sammelsurium von Randexistenzen, begleitet, - so manche Aventiure. Hagen Trinker trinkt sich einen, dichtet und philosophiert unterwegs über die Scheiß-Welt und ihre Existenz, reißt die Brücken hinter sich ein und verliebt sich in die sechzehnjährige Ausreißerin Judith, arbeitet als Totengräber in einem Bestattungsinstitut und überfällt einen Supermarkt. Überschattet und getrieben wird die Hagen-Geschichte durch einen Serienkiller mit dem Decknamen „Herodes“, der in München sein Unwesen treibt und Kleinkinder in ihren Kinderwägen die Kehle durchschneidet. In Nacht und Nebel und im Fieber-Delirium kommt es zu Begegnungen und misantrophen Dialogen zwischen Hagen und Herodes, wobei unklar bleibt (und das ist ein phantastischer Kniff des Autors), ob es sich bei den beiden nicht um ein und dieselbe Person handeln könnte. Einer meiner erklärten Lieblingsszenen, früher wie heute, ist die Beerdigung des griechischen Jünglings, ein Vorbild für groteske Schreibkunst mit Slapstick-Charakter.
Das Buch (übrigens das letzte von Kraussers Hagen-Triologie) wurde gefeiert, daran kann ich mich noch erinnern. Nicht zuletzt waren die Öffentlichkeit und die Literaturkritik fasziniert von dem Autor, der nach eigenen Angaben und Klappentext selbst (halb-) freiwillig ein Jahr als Berber zugebracht hat, als Totengräber jobbte und währenddessen provinzialrömische Archäologie studierte. Entsprechend wird Krausser seit „Fette Welt“ von Literatur-Seminar zu Literatur-Seminar als einer der Vertreter „Junger Deutscher Literatur“ herumgereicht, liest und doziert dort vor einem Publikum, das zu diesem Humor wohl nur schwer Zugang haben sollte. Kraussers Penner-Welt und ihre Lebensäußerungen sind authentisch, wenn man sich dieses Urteil als Uneingeweihter erlauben darf. An einigen Stellen weht den Leser der muffige Geruch des Straßenlebens so real und poetisch an, dass man zugleich kotzen, lachen und staunen möchte. Faszinierend und somit das eigentlich interessante ist jedoch Kraussers Sprache, die intelligent ist, starke Bodenhaftung aufweist und in ihrer unkonventionellen Verspieltheit und ihrem Erfindungsreichtum den Leser verblüfft und immer wieder vor Lachen in den Sessel drückt.
„Fette Welt“ ist ein starkes Stück Gegenwartsliteratur, das ich in zehn Jahren gerne wieder lese, denke ich. Übrigens ist der Roman dann auch mit Jürgen Vogel als Hagen Trinker verfilmt worden. Wäre auch mal zu überlegen, sich das anzuschauen.
Samstag, 13. Dezember 2008
Lest mehr Shakespeare
"Morgen, und morgen, und dann wieder morgen,
Kriecht so mit kleinem Schritt von Tag zu Tag,
Zur letzten Silb' auf unserm Lebensblatt;
Und alle unsre Gestern führten Narr'n
Den Pfad des stäub'gen Tods. Aus! kleines Licht! -
Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild;
Ein armer Komödiant, der spreizt und knirscht
Sein Stündchen auf der Bühn', und dann nicht mehr
Vernommen wird: ein Märchen ist's, erzählt
Von einem Dummkopf, voller Klang und Wut,
das nichts bedeutet. -"
(Shakespeare, Machbeth, V,5)
Kriecht so mit kleinem Schritt von Tag zu Tag,
Zur letzten Silb' auf unserm Lebensblatt;
Und alle unsre Gestern führten Narr'n
Den Pfad des stäub'gen Tods. Aus! kleines Licht! -
Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild;
Ein armer Komödiant, der spreizt und knirscht
Sein Stündchen auf der Bühn', und dann nicht mehr
Vernommen wird: ein Märchen ist's, erzählt
Von einem Dummkopf, voller Klang und Wut,
das nichts bedeutet. -"
(Shakespeare, Machbeth, V,5)
Auch wenn das hier ein sehr dunkles Stück des verzweifelten Machbeth ist, den nichts mehr erschüttern kann, der auch den letzten Schlag schon kommen sieht und ihm nicht mehr ausweichen will, eine Stelle, die Macbeths dunklen Realismus abschließend kennzeichnet, nach dem Realität die Einsicht in die Sinnlosigkeit des menschlichen Tuns sei, findet sich doch in jedem Stück von Shakespeare das Edle, Gute, Schöne, Heitere mit dem Verwerflichen, Bösen, Dunklen untrennbar vermischt.
Man denke an die jungen Prinzen in Richard III, an Malvolio, dem man aus Spaß übel mitspielt in "Was ihr wollt". Die Liste der Beispiele könnte beliebig verlängert werden. Wenn die dramatische Kunst je wirklich so etwas wie eine Katharsis beim Zuschauer auslösen konnte oder noch immer kann, dann hier bei Shakpespeare. Die Einsicht in die unauflösbare Vermischung von Gut und Böse, von Heiterem und Traurigem in ein und demselben Moment, hindert den Glücklichen (am Verblöden) daran, seinen Bezug zu Welt zu verlieren, und sie hilft ebenso dem Verzweifelten dabei, den Regenschirm dennoch mitzunehmen, auch wenn es egal sein mag, ob man nass wird oder trocken bleibt.
Man denke an die jungen Prinzen in Richard III, an Malvolio, dem man aus Spaß übel mitspielt in "Was ihr wollt". Die Liste der Beispiele könnte beliebig verlängert werden. Wenn die dramatische Kunst je wirklich so etwas wie eine Katharsis beim Zuschauer auslösen konnte oder noch immer kann, dann hier bei Shakpespeare. Die Einsicht in die unauflösbare Vermischung von Gut und Böse, von Heiterem und Traurigem in ein und demselben Moment, hindert den Glücklichen (am Verblöden) daran, seinen Bezug zu Welt zu verlieren, und sie hilft ebenso dem Verzweifelten dabei, den Regenschirm dennoch mitzunehmen, auch wenn es egal sein mag, ob man nass wird oder trocken bleibt.
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